Augen auf beim Gebrauchtwagenkauf! Denn dieser will gut geplant sein. In der Praxis lauern so manche Fallen, die sich aber mit der richtigen Vorbereitung umgehen lassen.

In diesem Ratgeber erfahren Kaufinteressenten, welche Überlegungen und Schritte zum geeigneten Gebrauchtfahrzug führen, worauf zu achten ist, wenn sie einen Gebrauchtwagen kaufen möchten und wie sich die Anschaffung realisieren lässt. Zudem finden sich wertvolle Tipps, um Fallstricke zu vermeiden.

Ablauf

Gut geplant, ist halb erledigt. Diese Ablaufschritte bieten eine gute Orientierung:

  1. Anforderungen an das Fahrzeug festlegen: Typ, Alter, Ausstattungsmerkmale, Kilometerleistung
  2. Budget festlegen
  3. Eigenkapital oder Finanzierung
  4. Wenn Finanzierung, welche Art? Händlerfinanzierung oder Autokredit?
  5. Finanzierungsangebote einholen, Kreditvergleich, ggf. Kreditanfrage/Kreditantrag stellen
  6. Angebotssondierung in alle Richtungen, Händler, Privat, online, vor Ort
  7. Auswahl favorisierter Modelle innerhalb der Budgetgrenze
  8. Besichtigung & Probefahrt, ggf. versierte Mängelprüfung, Gutachten in Auftrag geben
  9. Preisverhandlungen
  10. Kaufvertrag eingehend prüfen: Sind relevante Daten enthalten (korrekter Kilometerstand, Ausstattungsmerkmale, etc.)
  11. Vollständigkeit der Dokumente und Papier überprüfen
  12. Kauf abwickeln/Fahrzeugübergabe
  13. Versicherung abschließen
  14. Ggf. TÜV oder Reparaturen durchführen lassen
  15. Gebrauchtwagen an- oder ummelden

Budget festlegen

Wieviel Geld für den Gebrauchtwagenkauf benötigt wird, richtet sich nicht allein nach dem Kaufpreis für das Fahrzeug. Wer effektiv kalkuliert, ist vor ungeplanten Ausgaben besser gefeit. Neben dem reinen Kaufpreis, der in den meisten Fällen noch verhandelbar ist, können weitere Kosten im Zuge der Anschaffung auf den Käufer zukommen.

Dazu gehört die technische Prüfung des Kfz vor dem Kauf auf Herz und Nieren in einer Werkstatt, durch Prüfgesellschaften wie TÜV, Dekra oder einen Sachverständigen, die unbedingt angeraten ist, wenn ein Fahrzeug von Privat oder einem kleineren freien Händler ohne Gebrauchtwagen-Gütesiegel verkauft wird. Sollten sich dabei Mängel herausstellen, braucht es mitunter eine Finanzreserve für die notwendigen Reparaturen. Denn diese Kosten können nicht immer durch eine Reduzierung des Kaufpreises gedeckt werden. Wird ein Fahrzeug ohne TÜV gekauft, so müssen die Kosten für die Hauptuntersuchung ebenfalls eingerechnet werden. Je nachdem, ob und welche Mängel festgestellt werden, fallen für die Behebung und die endgültige Abnahme erneut Kosten an. Daneben sollten folgende Ausgaben berücksichtigt werden:

  • An- oder Ummeldung auf den neuen Eigentümer
  • Kfz-Steuer für das erste Jahr
  • Versicherungskosten für das erste Jahr

Bei einer Autofinanzierung über einen Kredit sollte die Kreditsumme den Kaufpreis und alle genannten Kostenposten abdecken. Wird ausschließlich angespartes Kapital eingesetzt, muss die verfügbare Gesamtsumme alle Positionen enthalten. Beispiel: Es stehen 4.000 Euro für den Kauf eines Gebrauchten zur Verfügung. Davon müssen relevante Kostenpositionen abgezogen werden. Was dann übrig bleibt, ist der Betrag, der den reinen Kaufpreis abdeckt. Wer seinen eigenen Gebrauchten verkauft oder in Zahlung gibt, schmälert mit dem Erlös bzw. durch die Verrechnung mit dem „neuen“ Gebrauchten die Anschaffungskosten.

In die Budgetrechnung sollten weiterhin laufende fahrzeugbedingte Mehrkosten einfließen. Das können je nach Art und Alter des Fahrzeugs beispielsweise höhere Betriebskosten, häufigere Reparaturen, höhere Kfz-Steuer und Versicherungsprämien sein. Es schadet nicht, einen finanziellen Puffer für die Mehrkosten einzuplanen.

Wichtige Ausstattungsmerkmale festlegen

Von der Farbe über den Komfort und die Sicherheit bis hin zu luxuriösen Extras definiert sich ein Fahrzeug über zahlreiche Ausstattungsmerkmale. Stark gefragt sind z.B. EPS, Alufelgen, Allradantrieb, Klimaautomatik, Multifunktionslenkrad, Anhängerkupplung, Sitzheizung, Einparkhilfe oder Navigationssystem. Die Ausstattung variiert jedoch je nach Hersteller, Fahrzeugtyp, Modellvariante und zeigt sich auch abhängig vom Baujahr/Alter des Fahrzeugs. Unterschieden wird hauptsächlich in die herstellerabhängige Serien- und Sonderausstattung. Was als Standard oder Sonderausstattung gilt, ist von Hersteller zu Hersteller sehr verschieden. Während bei der einen Automarke Sitzheizung und Einparkhilfe zur Serienausstattung zählen, sind dies bei einer anderen Marke Sonderausstattungsmerkmale.

Familien mit Kindern stellen andere Anforderungen an die Ausstattung als Singles, die überwiegend Langstrecken fahren oder Camping-Urlauber, die regelmäßig mit Fahrzeug und Wohnwagen in der Welt unterwegs sind. Vor dem Kauf sollten die bedürfnisgerechten Ausstattungsmerkmale festgelegt werden, um die Suche nach dem Gebrauchtwagen auf passende Angebote einzugrenzen. Auch kann so schnell ein Abgleich der Serien- oder Sonderausstattung von favorisierten Automodellen erfolgen.

Umso speziellere Ausstattungsmerkmale ein Gebrauchtfahrzeug vorweist, umso schwieriger kann sich ein späterer Wiederverkauf gestalten, da der potentielle Interessentenkreis eingeschränkt wird. Optimal ist es, wenn die Ausstattung dem jeweiligen Fahrzeugsegment, z.B. Kleinwagen, Mittelklasse, Oberklasse, entspricht.

Wer einen Gebrauchtwagen kaufen will, sollte auf einen weiteren Punkt achten, der in der Praxis immer wieder zu Problemen führt. Sind im Kaufvertrag Ausstattungsmerkmale aufgeführt, die jedoch nicht vorhanden sind, so liegt ein Mangel vor, dessen kostenfreie Beseitigung der Käufer vom Händler verlangen kann. Wurde ein fehlendes Ausstattungsmerkmal in einem privaten Kaufvertrag aufgenommen, so haftet der private Verkäufer für die Richtigkeit der Angaben, selbst wenn er seine Sachmangelhaftung ausgeschlossen hat.

Auch ein anders gelagertes Problem mit Ausstattungsmerkmalen tut sich in der Praxis gerne beim Kauf von Privat oder dubiosen Händlern auf: Tuning, Anbau und Umbau. Getönte Scheiben, Doppelauspuff, Motorumbau, Verkleidungen. Sind diese nicht genehmigt und im Fahrzeugschein eingetragen, darf das Fahrzeug nicht im Straßenverkehr bewegt werden. Solche Maßnahmen sollten immer im Kaufvertrag mit Verweis auf die ordnungsgemäße Zulassung aufgeführt sein.

Welche Fahrzeugart

Unterhaltskosten, Fahrverhalten, Gewohnheit, Nutzungszweck und persönliche Vorlieben sind Faktoren, die den Gebrauchtwagenkauf beeinflussen. Jeder Fahrzeugtyp hat seine Vor- und Nachteile, die abzuwägen sind. Zur Auswahl stehen Kleinst- und Kleinwagen, Limousine, Kombi, SUV/Geländewagen, Sportwagen/Coupé, Van/Minibus und Cabrio/Roadster.

Kleinwagen

Der Kleinwagen ist gefragt als wendiges und kompaktes Stadtauto und für Kurzstrecken, das selten Parkplatzprobleme kennt. Anschaffungs- und Unterhaltskosten liegen vergleichsweise gering. Bei Platzangebot, Stauraum, Fahrkomfort und der Sicherheit muss man hingegen einige Abstriche machen. Große und korpulente Personen sind in der Bewegungsfreiheit je nach Modell eingeschränkt. Die kleine Knautschzone versuchen Hersteller durch Airbag und Seitenaufprallschutz wettzumachen.

Limousine

Eine Limousine definiert sich über ihre Karosserieform mit festem Verdeck, 3-Säulen-Verbindung zwischen Dach und Karosserie sowie Stufen- oder Fließheck. Limousinen finden sich in der Kompakt-, Mittel- und Oberklasse, sie können als 4- oder 5-Türer konzipiert sein. Es kann sich um einfache, klassische Modelle oder Luxusfahrzeuge handeln. Es kommt also entscheidend auf die Fahrzeugklasse und den konkreten Autotyp eines Herstellers an, ob eine Limousine als Prestige- und Repräsentationsobjekt ausgewählt wird oder eher ein komfortables Alltagsauto mit guten Sicherheitsstandards und innovativen Merkmalen ist.

Kombi

Der Kombi zählt zu den beliebten Familien-, Firmen- und Nutzfahrzeugen. Durch seine Abmessungen bietet er ein großzügiges Platzangebot mit viel Freiheit im Innenraum für Mitfahrer. Außerdem kann jede Menge transportiert werden. Allerdings bringt der Kombi einiges an Gewicht auf die Waage und hat einen hohen Wendekreis, beim Fahren muss die Länge berücksichtigt werden.

SUV

Der SUV gilt als modernes Familienauto. Die kompakte Konstruktion aus sportlichem Geländewagen und Kombi macht ihn auch für Globetrotter, Vielreisende und Menschen, die einiges von A nach B transportieren wollen, interessant. SUVs sind jedoch teurer im Unterhalt und in der Kfz-Steuer. Das Fahren will geübt sein, denn die Sitzposition ist höher und in jede Lücke passt das Auto auch nicht.

Cabrio

Oben ohne – Das Cabrio ist ein Liebhaberfahrzeug und gilt nicht selten als Statussymbol für einen schicken, gehobenen und sportiven Lebensstil. Es ist zwar das ganze Jahr hindurch fahrbar, jedoch nicht unbedingt für harte Winter ausgelegt. Hinzu kommen deutlich höhere Versicherungsbeiträge und Kfz-Steuern, das Platzangebot ist begrenzt.

Antriebsart – Diesel, Benziner, Gas oder Elektro?

Die Antriebsart ist vor allen Dingen eine Kosten-Nutzenrechnung, auch wenn angesichts des Dieselskandals die Vermutung naheliegt, Verbraucher würden in erster Linie nach Umweltaspekten entscheiden. Verschiedene Studien kommen sogar zu dem Ergebnis, dass die Unterschiede der Antriebsarten Diesel, Benziner, Gas oder Elektro in Punkto Umweltbelastung gar nicht so groß sind, wie meist medienwirksam dargestellt. Käufer wägen überwiegend nach praktischen Kostenargumenten ab.

In der Anschaffung ist ein Diesel teurer, Kraftstoffpreis und Verbrauch liegen dagegen niedrig. Ein Dieselfahrzeug eignet sich besonders für Viel- und Langstreckenfahrer. Benziner sind in der Anschaffung günstig, die Spritpreise hingegen hoch. Wer Kurzstrecken fährt und eher im Stadtverkehr unterwegs ist, profitiert von einem Benzinantrieb. Erdgas- oder Autogasantrieb weisen im Vergleich die niedrigsten Betriebsstoffkosten auf, gehören aber bei den Anschaffungskosten und beim CO2 Ausstoß zu den weniger günstigen Kandidaten. Zudem besteht noch Bedarf an Tankstellen, die Erdgas bzw. Autogas anbieten, weshalb der Kauf auch immer von der Gasverfügbarkeit an den Tankstellen in der eigenen Region abhängig ist. Die Zahl der Elektroautos mit Akku ist derzeit in Deutschland noch überschaubar. In der Anschaffung sind diese Modelle recht teuer, die größten Hindernisse auf dem Weg zur Massentauglichkeit zeigen sich jedoch in Sachen lange Ladedauer, begrenzte Reichweite bzw. Fahrleistung und fehlende Ladestellen. Eine gute Ökobilanz erreichen solche Fahrzeuge nur, wenn sie auch mit Ökostrom gespeist werden, nicht jedoch mit dem überwiegend zum Einsatz kommenden Strommix. Dafür fallen insgesamt weniger Reparatur- und Wartungskosten an. Das Angebot auf dem Gebrauchtwagenmarkt ist derzeit noch überschaubar. Nichtsdestotrotz gilt der das Elektroauto als Auto der Zukunft.

Finanzierung beim Gebrauchtwagenkauf

Wie möchte man den Gebrauchtwagen finanzieren, woher kommen die Geldmittel für die Anschaffung? Der Kaufpreis inkl. weiterer Kosten ist hier das Zünglein an der Waage. Während Beträge im niedrigen dreistelligen Bereich oftmals noch durch Ersparnisse abgedeckt sind, wird Eigenkapitaleinsatz bei höherpreisigen Anschaffungskosten schon schwieriger. Hier bietet sich eine Händlerfinanzierung oder der klassische Autokredit auf Raten an. Zuvor sollte ausgerechnet werden, wieviel Auto man sich leisten kann, also welcher Betrag monatlich für die Rückzahlung zur Verfügung steht. Auch müssen die Voraussetzungen für einen Kreditantrag gegeben sein. Dazu gehören Volljährigkeit, gute Bonität und ein ausreichend hohes Monatseinkommen, dass nach Abzug der monatlichen Ausgaben und einem Puffer noch Spielraum für die Rückzahlung des Kredits lässt. Ein Vergleich der Finanzierungsoptionen ist angeraten. Interessenten sollten sich Angebote von ausgewählten Händlern einholen und alternativ einen Autokreditvergleich durchführen.

Gebrauchtwagenkauf von Privat oder Händler?

Eine pauschale Empfehlung kann es beim Gebrauchtwagenkauf nicht geben, nur Achtsamkeit. Sowohl unter den Privatverkäufern als auch unter den Händlern finden sich unseriöse Anbieter, bei denen Vorsicht angeraten ist. Beide Optionen eröffnen eine große Fahrzeugauswahl, doch manchmal findet sich das Lieblingsauto eher bei einem privaten Verkäufer als beim Händler. Zu den beliebtesten Online-Verkaufsplattformen für Gebraucht- und Neufahrzeuge zählen mobile.de und autoscout24. Hier werden auch positive wie negative Erfahrungen mit Händlern geteilt, was für Interessenten sehr nützlich sein kann.

Privat

Für den Privatkauf sprechen meist günstigere Preise und mehr Verhandlungsspielraum, was jedoch nicht unbedingt immer zutreffen muss. Auf der anderen Seite geht der Käufer aber auch ein höheres Risiko ein, da die Sachmängelhaftung (Gewährleistung) ausgeschlossen werden kann. Weiter sind einige Punkte, z.B. Probefahrt und Fahrzeugübergabe bei einem abgemeldeten Auto, komplex und kostenintensiv. In jedem Fall sollte bei einem Privatverkauf ein schriftlicher Kaufvertrag geschlossen werden. Vorlagen dazu sind im Internet verfügbar. Für die Suche nach Gebrauchtfahrzeugen von privaten Verkäufern stehen Anzeigen in regionalen Tageszeitungen, auf diversen Kleinanzeigenportalen und Gebrauchtwagenbörsen im Internet zur Verfügung.

Händler

Der Kauf beim Händler ist genauer zu betrachten. Auf der einen Seite finden sich kompetente und seriöse Vertragshändler, z.B. das Autohaus für Neuwagen- und Gebrauchtwagenverkauf, wobei sich die Gebrauchtwagenangebote nicht ausschließlich auf die Herstellermarke konzentrieren müssen, sowie versierte freie Gebrauchtwagenhändler mit angeschlossener Werkstatt. Bei diesen Anbietern kann der Käufer sichergehen, dass die Fahrzeuge vor dem Verkauf auf Mängel und ordnungsgemäßen TÜV überprüft und überholt wurden. Das kann in der Regel auch entsprechend belegt werden. Auf der anderen Seite stehen Hinterhofhändler, die lediglich angekaufte Autos von außen aufhübschen und Mängel lieber überdecken als beheben. Vor diesen Anbietern kann nur gewarnt werden, denn glücklich wird der Käufer mit solchen Fahrzeugen nicht.

Laut Gesetz müssen gewerbliche Verkäufer dem Käufer bei Fernabsatzgeschäften ein 14-tägiges Widerrufsrecht einräumen. Dies gilt auch für Gebrauchtwagen, bei denen der Vertragsschluss außerhalb von Geschäftsräumen, per E-Mail, Fax, telefonisch oder über Katalogauswahl erfolgt ist. Händler haften zwei Jahre für Sachmängel. Der Zeitraum kann von gewerblichen Händlern jedoch auf ein Jahr begrenzt werden. Kommt der Verkäufer seiner Verpflichtung zur kostenlosen Sachmängelbehebung innerhalb einer gesetzten Frist nicht nach, besteht für den Käufer ebenfalls ein Widerrufsrecht.

Die Sachmängelhaftung ist nicht mit einer freiwilligen Gebrauchtwagengarantie zu verwechseln. Die Gebrauchtwagengarantie wird dennoch gerne vom Händler mitverkauft.

Jahreswagen bieten Vorteile

Ein Gebrauchtwagen kann auch ein Jahreswagen sein. Dabei handelt es sich um ein Fahrzeug, dessen Erstzulassung weniger als 12 Monate zurückliegt. Bis zu 30% des Neupreises lassen sich bei solch einem Kauf einsparen, zudem weisen diese relativ neuen Fahrzeuge meist nur eine sehr geringe Kilometerleistung auf und sind bereits vom Vorbesitzer eingefahren. Auch wurden in der Regel schon die ersten Inspektionen gemacht. Dennoch sollten Käufer immer genau hinschauen. Denn der Kilometerstand kann auch höher ausfallen, wenn der Vorbesitzer den Wagen z.B. als Geschäftswagen genutzt hat und deutschlandweit viel unterwegs war. Das hat einen höheren Verschleiß zufolge.

Checkliste

Mittlerweile finden sich umfangreiche Checklisten für den Gebrauchtwagenkauf auf großen Autoportalen im Internet. Die wichtigsten Prüffaktoren und Fragen sind hier noch einmal in Kürze zusammengefasst:

  • Handelt es sich um ein Unfallfahrzeug?
  • Ist das Fahrzeug an- oder abgemeldet?
  • Hat der Gebrauchtwagen TÜV?
  • Wie ist der optische und technische Zustand des Wagens außen, innen, Motorbereich, Elektronik?
  • Sind die angegebenen Ausstattungsmerkmale alle vorhanden?
  • Wurden offensichtliche Mängel im Kaufvertrag erfasst?
  • Sind Tuning-, Umbau- und Anbaumaßnahmen in Fahrzeugschein und Kaufvertrag vermerkt?
  • Verfügt der Verkäufer über alle erforderlichen Papiere? Achtung bei ausländischen Papieren!

Besichtigung & Probefahrt – Worauf man achten sollte

Kein Gebrauchtwagenkauf ohne Besichtigung und Probefahrt. Allerdings sind diese beiden Punkte mitunter auch die schwierigsten für den Laien, der von Autos nicht viel versteht. Käufer sollten zu diesem Termin am besten einen Fachmann, z.B. einen Kfz-Mechatroniker, mitnehmen, der versteckte Mängel erkennen kann. Ansonsten sind fürs Erste Familienmitglieder, Freunde und Bekannte eine Option, denn vier Augen sehen mehr als zwei.

Besichtigung und Probefahrt sollten immer tagsüber, nicht bei Anbruch der Dunkelheit oder gar ganz im Dunkeln stattfinden. Es ist zudem abzuklären, welche Versicherung besteht, denn danach richtet sich die Haftung des Probefahrers für Schäden am Fahrzeug. Vor der Fahrt sind auffällige Mängel wie Kratzer, Beulen, etc. schriftlich festzuhalten, damit diese hinterher nicht dem Probefahrer angelastet werden können.

Allgemein gibt es einige Tipps, worauf bei Besichtigung und Probefahrt zu achten ist. Diese können aber keinen fachkundigen Check ersetzen:

  • Begutachtung der Karosserie: Sind Lackschäden, Rost, Beulen, Unfallspuren erkennbar? In welchem Zustand sind die Reifen?
  • Innenraum und Kofferraum unter die Lupe nehmen, hier auf Roststellen, Zustand der Sitze und der Decke, muffigen Geruch, feuchte Stellen achten
  • Überprüfung von Ölstand, Kühlwasser, Bremsflüssigkeit
  • Motor anlassen und abwarten, ob alle Kontrollleuchten zügig ausgehen
  • Vor der Probefahrt Funktionstest von Scheinwerfern, Blinker, Rückleuchten/Bremslichtern, Hupe
  • Radio oder Soundsystem vor der Fahrt testen, während der Fahrt bleibt das System aus, da ansonsten ungünstige Fahr- oder Motorgeräusche überdeckt werden
  • Auf einer kurzen Strecke zunächst den Verkäufer fahren lassen, während dieser Zeit Heizung, Gebläse, Klimaanlage, Fensterheber, Schiebedach, etc. ausprobieren
  • Vor dem Selbstfahren Spiegel und Sitze einstellen, dabei Leichtgängigkeit prüfen
  • Während der Fahrt auf Lenkung, Kupplung, Gangschaltung, Bremsen achten
  • Zieht der Wagen zu einer Seite, wenn kurzzeitig und vorsichtig das Lenkrad losgelassen wird?

Für Besichtigung und Probefahrt sollten sich alle Beteiligten ausreichend Zeit nehmen. Drängelt der Verkäufer, kann das ein schlechtes Omen sein, denn er hat vielleicht etwas zu verbergen. Das Bauchgefühl in Verbindung mit Aufmerksamkeit ist während der Probefahrt ein guter Ratgeber und kann auf Probleme am Fahrzeug hinweisen. Dem absoluten Laien bringt aber nur ein Expertencheck Gewissheit. Privatverkäufer und unseriöse Händler lassen sich darauf eher selten ein.

Wichtiger Hinweis: Zahlreiche Privatverkäufer haben das Fahrzeug bereits abgemeldet, wenn sie es zum Verkauf anbieten. Eine Probefahrt oder Überführung ist dann für Privatpersonen nur mit einem kostenpflichtigen Kurzzeitkennzeichen inklusive Versicherungsschutz und gültiger HU möglich. Hin- und Rückfahrten zur Zulassungsstelle, in eine Prüfeinrichtung oder Werkstatt innerhalb des Bezirks der Zulassungsstelle sind auch ohne TÜV möglich. Ein rotes Kennzeichen für Probefahrten und Überführungen erhalten nur Händler, Sachverständige oder Prüfeinrichtungen, die als zuverlässige Gewerbetreibende anerkannt sind, sowie Oldtimerfahrer.

Unterm Strich kostet ein Kurzzeitkennzeichen, das 5 Tage lang Gültigkeit hat, um die 70 Euro. Mehrere Probefahrten mit unterschiedlichen Fahrzeugen sind damit nicht möglich, da es nur an einzigem Fahrzeug verwendet darf. Ohne TÜV bleibt nur noch die Werkstattüberprüfung. Da diese Vorgehensweisen sehr umständlich und mit Kosten verbunden sind, sollten Käufer bei einem Verkaufsangebot von Privat darauf achten, dass das Fahrzeug noch angemeldet ist oder zumindest eine gültige Hauptuntersuchung besitzt.

Preis verhandeln

Erfolgreich handeln lautet die Devise beim Gebrauchtwagenkauf. Denn der Preis ist selten fix, sowohl beim Händler als auch bei den Privatverkäufern besteht noch jede Menge Spielraum. Die wichtigste Regel: Sich gut informieren über den gängigen Marktpreis von vergleichbaren Fahrzeugen und alle angegebenen und festgestellten Mängel im Blick haben und hinterfragen. Der Hinweis auf mögliche interessante Alternativen anderer Anbieter im gleichen Preissegment, suggeriert dem Verkäufer Konkurrenz und hält den Preispoker am Laufen.

Am Vormittag sind Preisverhandlungen effektiver, als am Nachmittag oder gar Abend. Das Feilschen um den besten Preis funktioniert für den Käufer nur mit einem Limit, das er sich schon vorher setzt. Eine selbstbewusste, gelassene Ausstrahlung sowie ein freundlicher und sachlicher Ton sind die halbe Miete, auch wenn die Situation stressig wird. Psychologische Tricks sind nur schwer zu durchschauen, aber darauf sind professionelle Verkäufer geschult. Sie gehen auf die emotionale Ebene und versuchen, mit dem Auto bestimmte angenehme Assoziationen beim Käufer zu wecken, z.B.: „Das Auto passt perfekt zu Ihnen, genauso schnittig und jung“. Der Käufer sollte sich von solchen Aussagen nicht irritieren lassen, sondern sein Ziel weiterverfolgen. Falls sich die Preisverhandlung als zäh erweist, kann es sich auszahlen, sie zu beenden. Das ruft nicht selten den Verkäufer noch einmal auf den Plan, beim Preis nachzugeben.

Garantie beim Kauf vom Händler

Hier kommt es immer wieder zu Missverständnissen zwischen den Begriffen Sachmängelhaftung/Gewährleistung und Gebrauchtwagengarantie. Sachmängel, die bereits bei Abschluss des Kaufvertrages/der Fahrzeugübergabe vorgelegen haben oder innerhalb von sechs Monaten nach der Übergabe erstmals aufgetreten sind, muss der Händler im Rahmen der gesetzlichen Gewährleistung kostenfrei beheben. Eine kostenpflichtige Gebrauchtwagengarantie ist in erster Linie für Mängel, die nicht als Sachmängel gelten und sonstige Reparaturen innerhalb der meist einjährigen Garantiezeit gedacht. Sie wird dem Käufer oftmals gleich „mitverkauft“. Die Kosten werden beispielsweise auf den Kaufpreis aufgeschlagen, so dass es den Anschein hat, die Garantie wäre kostenfrei inbegriffen. Verkehrt ist eine Gebrauchtwagengarantie nicht, wobei zu prüfen ist, welche Teile und Schadensarten genau versichert sind. Alternativ kann der Käufer selbst eine Gebrauchtwagengarantie bei einem Versicherungsunternehmen, das auch KfZ-Versicherungen (Haftpflicht, Kasko) anbietet, abschließen.

Zu welcher Jahreszeit sollte man den Gebrauchtwagen kaufen?

Jahreszeit und Witterung spielen beim Kauf eine wichtige Rolle, wenn es darum geht, ein gebrauchtes Fahrzeug deutlich günstiger zu erwerben. Genauso wie Sommerschuhe im Winter Ladenhüter sind und daher im Preis reduziert werden, verhält es sich mit bestimmten Automodellen auf dem Gebrauchtwagenmarkt. Kleinwagen und Fahrzeuge mit älterem Baujahr zählen zu den Autos, deren Nachfrage im Winter steigt und somit auch der Preis. Als bester Zeitpunkt für den Kauf von Winterautos mit saftigen Rabatten gelten Frühjahr und Sommer. Alle anderen Fahrzeugtypen sowie speziell Cabrios und schnittige Sportwagen sind hingegen in den Wintermonaten (Dezember bis März) günstiger zu erhalten. Sobald die ersten Sonnenstrahlen kitzeln steigt die Nachfrage nach offenen und schnellen Autos rasant an.

Zulassung

Je nachdem, ob der Gebrauchtwagen noch angemeldet oder bereits abgemeldet ist, gibt es geringfügige Unterschiede bei der Zulassung auf den neuen Halter. Ummelden kommt bei einem noch auf den Verkäufer zugelassen Wagen in Frage. Benötigte Unterlagen sind: gültiger Personalausweis oder Reisepass und Meldebestätigung, Zulassungsbescheinigung Teil I und II, eVB-Nummer der Versicherung, aktueller TÜV/AU-Bericht, bisherige Kennzeichen/neue Kennzeichenschilder, Erklärung zur Teilnahme am Lastschrifteinzugsverfahren (Kfz-Steuer).

Ist das Fahrzeug zum Verkaufszeitpunkt bereits abgemeldet, muss der Käufer ihn neu anmelden. Dazu sind die bereits genannten Dokumente sowie eine Abmeldebescheinigung bei Stilllegung vor dem 1. Oktober 2005 erforderlich. Um- oder Anmeldung durch den Käufer sollten zügig nach Kaufvertragsabschluss und Zahlung des Kaufpreises erfolgen, gängig ist eine Frist von 3 Tagen, die auch im Kaufvertrag festgehalten sein sollte.

Versicherung für den Gebrauchtwagen

Unabdingbar und vorgeschrieben ist die Kfz-Haftpflichtversicherung für Halter von Kraftfahrzeugen. Sie sichert Unfallschäden an Personen und Fremdfahrzeugen ab, die durch den Halter entstanden sind. Daneben können Fahrzeughalter auch eine Teil- oder Vollkaskoversicherung abschließen, die neben der Haftpflicht weitere Schadensleistungen, insbesondere für den eigenen Wagen abdeckt. Entsprechend dem Umfang der Leistungen sind die Tarife gestaffelt.

Die Beitragshöhe richtet sich nicht nur nach der Art der Versicherung, sondern vorrangig nach den Parametern Fahrzeugklasse, Regionalklasse, Baujahr, Fahrleistung im Jahr, Schadensfreiheitsklasse, Alter des Halters, Punkte in Flensburg, Selbstbeteiligung, Werkstattbindung, Unterstellmöglichkeit für das Fahrzeug, Wohneigentum, Zahlungsweise. Ein Vergleich der Anbieter für Kfz-Versicherungen ist grundsätzlich angeraten. Bei einem Halterwechsel, wie er beim Gebrauchtwagenkauf automatisch der Fall ist, hat der Käufer ein Sonderkündigungsrecht und kann zu einem neuen, ggf. günstigeren Anbieter wechseln.